Unklarheit über tatsächlichen Ursprung
israelischer Produkte 21.08.2004
Sehr geehrte Damen und Herren,
in den Regalen Ihrer Supermärkte finden wir Verbraucherinnen und
Verbraucher Waren aus vielen verschiedenen Ländern, die alle nach
ihrem Warenursprung gekennzeichnet sind. Dabei gibt es für viele
Länder Zollvergünstigungen, z.B. wenn ein EU-Assoziationsabkommen
besteht. Ein solches wurde im Jahr 2000 auch mit dem Staat Israel abgeschlossen.
Im EU-Assoziationsabkommen wird ausdrücklich darauf hingewiesen,
dass die Zollvergünstigungen nur dann gewährt werden können,
wenn im Vertragsland die Menschenrechte eingehalten werden. Außerdem
können prinzipiell natürlich nur Waren aus dem Staatsgebiet
selbst Vergünstigungen in Anspruch nehmen. Von den israelischen
Zollbehörden werden aber seit langem auch Produkte aus Siedlungen
in der Westbank, Gaza, Ost-Jerusalem und den Golanhöhen als Ursprungsprodukte
gekennzeichnet. Diese Siedlungen in den seit 1967 von Israel besetzten
Gebieten gehören nicht zum israelischen Staatsgebiet. Mehr noch:
Ihre Errichtung stellt einen Verstoß gegen humanitäres Völkerrecht
dar.
Israel exportiert dennoch viele Waren, insbesondere Obst, Gemüse,
Blumen und vieles mehr, aus Siedlungen in den besetzten palästinensischen
Gebieten in die EU und deklariert sie als „Made in Israel“.
Die Zollbehörden in der EU und in Deutschland wissen um dieses Problem
und haben in einigen Fällen Produkte überprüft und Zölle
erhoben. Es bleibt aber eine erhebliche Grauzone – und die israelische
Regierung ist weiterhin in keiner Weise daran interessiert, korrekte
Angaben über die Ursprungsorte ihrer Exportwaren zu machen.
Wir Verbraucherinnen und Verbraucher haben dieses Verwirrspiel satt:
Wir können nicht länger akzeptieren, dass die EU uns seit Jahren
die Möglichkeit vorenthält, beim Kauf israelischer Waren zwischen
Ursprungsprodukten und Produkten aus völkerrechtswidrigen Siedlungen
zu unterscheiden. Wir sind daher nicht mehr bereit, Waren die mit „Made
in Israel“ gekennzeichnet sind zu kaufen, solange die Fragen nach
dem tatsächlichen Ursprung nicht geklärt und die Waren nicht
eindeutig deklariert werden.
Als Anbieter entsprechender Produkte können Sie helfen, denn kritische
Verbraucherinnen und Verbraucher wollen Klarheit darüber, ab wann
sie wieder bedenkenlos israelische Waren kaufen können. Wir bitten
Sie, Ihre Möglichkeiten zu nutzen, bei den zuständigen Bundesministerien
Informationen über den aktuellen Sachstand einzuholen: Wann wird
die Bundesregierung konkrete Schritte zur Lösung des Problems einleiten?
Wie werden die geplanten Maßnahmen aussehen? Sprechen Sie auch
Ihre Handelspartner auf diese Problematik an. Bitte lassen Sie uns wissen,
was Sie tun werden, um bis zu einer klaren Kennzeichnungspraxis für
uns als Verbraucherinnen und Verbraucher Eindeutigkeit herzustellen.
Gerne unterstützen wir Sie bei Ihren Bemühungen mit weiteren
Informationen ( siehe auch unsere Website www.FrauenNetzwerkNahost.de
)Wir freuen uns von Ihnen zu hören.
Mit freundlichen Grüßen
für das FrauenNetzwerkNahost
Brigitte Keyl